Warum Wertschätzung kein Lob verträgt
Positive Bestärkung ist wichtig. Stereotyp zu loben hingegen ist Gift für die persönliche und fachliche Entwicklung.

Warum Wertschätzung kein Lob verträgt

Gebetsmühlenartig wird in Führungstrainings hervorgehoben, wie wichtig es ist, MitarbeiterInnen in ihrer Arbeit positiv zu bestärken. Nun, gegen einen ordentlichen Umgang miteinander und gegen ein reflektiertes Feedback ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil.

Stereotyp zu loben hingegen ist Gift für die persönliche und fachliche Entwicklung. Zudem ist es der Motivation und möglichen Leistungssteigerung unter dem Strich sogar abträglich. Warum?

Ein konkretes Beispiel aus der Welt des falschen Lobens

Ein entfernter Bekannter brüstete sich letztlich beim gemeinsamen Restaurantbesuch damit, täglich faktisch nur drei Stunden zu arbeiten, die restliche Arbeitszeit einfach abzusitzen, Computer zu spielen oder sich mit seinem Smartphone zu beschäftigen. Ich (Karin Esch) fragte  ihn: „Wie ist das möglich? Was sagt dein Vorgesetzter dazu?“ Seine Antwort: „Ach, der kriegt das nicht mit. Der weiß gar nicht, was ich da mache. Ich kann es ihm einfach gut verkaufen, wie aufwändig meine Arbeit ist und da ich wenig Fehler mache, werde ich sogar noch gelobt.“

„Bingo“, dachte ich. Anstatt dass die Führungskraft erkennt, wie effizient der Bekannte arbeitet und  wieviel Potenzial hier verloren geht, das Unternehmen vorwärts zu bringen, wird er für diese Arbeitshaltung auch noch gelobt!

Zusammengefasst: Brave Arbeitstiere, die oftmals weit unter ihrem Potential arbeiten, werden konsequent gelobt und selbst faule Esel werden häufig gepampert, mitgezogen oder mit der Mohrrübe geködert.

Der Effekt? Bei den MitarbeiterInnen wird die Haltung des „immer schön den Ball flach halten“ und „nur das tun, was der Chef will – und ja nicht mehr“ gefördert. Und was passiert mit den unbequemen Andersdenkenden, die auf ungewohntem Wege zu Arbeitsergebnissen kommen? Schema F folgend werden diese abgebügelt und auf vermeintlich zielführende Art und Weise in die genormten Schranken verwiesen.  Mit fatalen Folgen für die Effektivität und Performance des Unternehmens insgesamt.

Wertschätzung ist keine Einbahnstraße

In unserem Beratungsalltag erleben wir immer wieder, dass es ein gerütteltes Maß an MitarbeiterInnen gibt, die wie Junkies dem Lob und der Anerkennung des Vorgesetzten hinterher hecheln – bei konstant mittelmäßigen Arbeitsergebnissen. Folglich ist es fatal, wenn Führungskräfte dazu angehalten werden, Lob und Anerkennung im Platitüdenformat zu verteilen.

Wirkliche Wertschätzung bedeutet demgegenüber, zu verstehen, warum der Andere so tickt wie er tickt. Wie es dazu kommt, dass er seine Arbeit so macht, dass sie zu einem guten oder eben weniger guten Ergebnis führt. Damit schaffen gute Führungskräfte es, auch andersdenkende Rebellen und vermeintliche Faulpelze gut zu integrieren und Arbeitsergebnisse zu verbessern. Mit entsprechend positivem Performance-Effekt.

Wie funktioniert das? Es gilt, bei Führungskräften und MitarbeiterInnen eine Haltung zu fördern, die eine Begegnung auf Augenhöhe ohne Gleichmacherei ermöglicht. Dass die verschiedenen Sichtweisen ebenbürtig sind – aber eben nicht notwendiger Weise gleich. Auf diesem Nährboden wächst dann eine Kultur des wertschätzenden kritischen Feedbacks, das unreflektierte Lobesroutinen ablöst. Dies setzt das Wissen voraus, wie aus negativen Emotionen zielführende Kräfte werden. Damit einhergeht die Einsicht, dass dies die Aufgabe aller Beteiligten ist, der Führungskräfte und MitarbeiterInnen gleichermaßen. Wertschätzung ist deshalb im Gegensatz zum Lob keine Einbahnstraße.

Jetzt mal Butter bei die Fische

Wie sieht es bei Ihnen aus? Wünschen Sie sich Lob? Brauchen Sie Lob? Loben Sie als Führungskraft, weil es „allen ein gutes Gefühl macht“? Weil es so schön einfach ist?

Falls sie eine dieser Frage mit „Ja“ beantworten, wird es Zeit, Ihre innere Haltung bei den Hörnern zu packen: Entwickeln Sie Ihr Potential zur Emotionsregulation. Damit laden Sie Ihre Akkus auf mit Selbstakzeptanz und Selbstverantwortung. Ansonsten bleibt das „Lob“ ein Fass ohne Boden, ohne die geringste Chance, ihre Wünsche zu befriedigen, Performance zu verbessern oder Wertschätzung zu vermitteln.

 

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