Warum fehlender Widerspruch Unternehmen schwächt
Widerspruch kann Unternehmen auch stärken.

Warum fehlender Widerspruch Unternehmen schwächt

Die Management-Vordenker Förster & Kreuz haben in ihrem Blog einen spannenden Beitrag zur „Verpflichtung zum Widerspruch“ verfasst (https://foerster-kreuz.com/pflicht-zum-widerspruch-obligation-to-dissent/). Die Quintessenz ist: Widerspruch kann einen wichtigen Beitrag leisten, um Unternehmen in unsicheren Zeiten in sichere Fahrwasser zu bringen. Doch was genau bedeutet Widerspruch und vor allem wie funktioniert wirksamer Widerspruch? Fangen wir beim Wesen des Widerspruchs an.

Widerspruch, was ist das eigentlich?

Nehmen wir Widerspruch mal beim Wort. Der „Spruch“ ist das Sprechen, die konkrete Widerrede – und damit unser Verhalten. Und was meint das „Wider“? Es weist auf etwas hin, gegen das ich mich wende, dem ich widerspreche. Dieses Etwas ist die materielle oder immaterielle Umwelt: Ideen und Gesetze, Familie und Kollegen, Organisationen und Verträge.

Und warum kommt es zu einem Widerspruch? Unsere inneren, häufig unbewussten Werte sind es, die uns zum Widersprechen führen. Und zwar immer dann, wenn es eine mangelnde Übereinstimmung mit dem gibt, was in unserer Umwelt geschieht. Es kann alles Mögliche sein, was zum Widerspruch einlädt: Ein neues Unternehmenskonzept, das Verhalten von Kindern, die Besteuerung oder sogar der alte Rasenmäher.

Unsere Werte können wir mit einem Radar vergleichen, mit dem wir unsere Umwelt nach Übereinstimmungen und Gegensätzen unbewusst abscannen. Natürlich ist dieses Radar höchst individuell und es ist blitzschnell. Es basiert auf den gemachten Erfahrungen der Vergangenheit und dem, was wir in der Zukunft erwarten. So kommen Situationen zustande, die wir alle kennen: Was der eine als konstruktiven, notwendigen Widerspruch sieht, fasst ein anderer unter Umständen als kleinkariert auf, als wenig zielführend oder sogar maximal überflüssige Nörgelei. Doch was genau passiert da in uns?

Bevor wir Widerspruch äußern regt sich in uns ein negatives Gefühl. Das kann vom leichten Ärger bis zur unbändigen Wut, einer Unsicherheit bis hin zur großen Trauer reichen. Das negative Gefühl ist ein Anzeichen dafür, dass ein Wert in uns verletzt wurde.

Widerspruch ist erst einmal weder positiv noch negativ

Und wovon hängt es nun ab, ob Widerspruch gut oder schlecht ist? Widerspruch ist eng mit unserer inneren Haltung verbunden und die ist erst einmal neutral. Das bedeutet: Es gibt nicht „den einen, konstruktiven Widerspruch“. Wir alle kennen Menschen, die scheinbar grundsätzlich gegen alles sind oder aber auch zu jeder Kleinigkeit ihren „Senf abgeben“. Und dann gibt es noch die, die wie Duckmäuser allem beipflichten und dann, hinter dem Rücken, über Kollegen, den Chef oder die Firma herziehen. Beide Verhaltensvarianten sind wenig hilfreich.

Doch wann ist unser Kontra denn nun zielführend und ab wann kann man davon sprechen, dass die Arbeitsatmosphäre durch Dauerwiderspruch von Querulanten und versteckt meckernden Duckmäusern vergiftet wird?

Das ist immer eine Gratwanderung. Je stärker das negative Gefühl in uns ist, um so wichtiger wird es, dass wir den Mund aufmachen und Widerspruch einlegen. Wir können dann nämlich davon ausgehen, dass wir einen wichtigen Wert beizutragen haben, den andere offenbar übersehen. Dies setzt aber voraus, dass wir wissen, was den Widerspruch in uns auslöst und das ist manchmal gar nicht so einfach zu benennen. Und schließlich gehört dazu noch eine gehörige Portion Mut.

Grundvoraussetzung ist, dass wir genau wissen, warum wir Widerspruch einlegen (Werte-Ebene). Hinzu kommt, dass wir dies konstruktiv tun (Kompetenz-Ebene) und uns bewusst sind, wo sich der Werte-Widerspruch in unserer Umwelt abbildet. Die Klarheit über die Werte-Ebene gibt uns innerlich Halt und Rückgrat, um mutig unsere abweichende Meinung darzustellen. Die Kompetenz-Ebene gibt uns das notwendige Rüstzeug dazu, Widerspruch zielführend und sachlich zu äußern. Und das konkrete Illustrieren auf der Umwelt-Ebene hilft, sachliche Argumente zu sammeln und unsere Beweggründe für andere nachvollziehbar darzulegen. Widerspruch in dieser Form ist ein unschätzbar wertvoller Beitrag – für uns selbst und für unser Miteinander, für die Team-Performance und nicht zuletzt den Unternehmenserfolg. Je mehr Menschen in Unternehmen konstruktiven Widerspruch leisten, um so profilierter und besser wird die Unternehmensleistung.

Widerspruch als Haltungs- und Selbstkompetenztraining

Wie kann man ihn praktisch fördern, den wertvollen Widerspruch? Versuchen Sie es mal mit Widerspruch als Trainingsansatz, so machen wir das auch im HGQM Grundkurs. An erster Stelle steht die Achtsamkeit, das bewusste Wahrnehmen der Emotion, die Widerspruch auslöst. Je nach emotionaler Ladung und Richtung sind wir damit zur einen oder anderen Handlung aufgefordert, die Energie des Widerspruchs zielgerichtet zu nutzen. Also vielleicht Grenzen zu ziehen, kreativ Alternativen zu entwickeln, Abschied zu nehmen oder neue Erkenntnisse zu integrieren. Und je mehr Widerspruchserfahrung wir sammeln, je mehr wir uns im Widersprechen und Widersprochen-Werden üben, umso mehr Selbstkompetenz entwickeln wir. Selbstkompetenz, hört sich gut an – was gibt es da alles zu entwickeln: Von Entscheidungsfähigkeit über Selbstwirksamkeit bis hin zu Reflexionsfähigkeit und Resilienz – um nur einige zu nennen.

Und damit kommen wir zur wirklich wichtigen Botschaft: Meine Umwelt gestalte ich immer mit, ob passiv oder aktiv – mit Widerspruch sogar in eine bestimmte Richtung. Eine Richtung, die ich für richtig halte. Und die ich mit verantworte. Wenn das nicht mal eine Verpflichtung ist!

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