Das VUCA-Gespenst geht um
Wenn das VUCA-Gespenst umgeht – dann handelt es sich vielleicht auch nur um einen Sturm in der Kaffeetasse

Das VUCA-Gespenst geht um

Kaum ein Forum, Zeitschriftenartikel, Blog oder Leadership-Seminar kommt noch ohne das Schlagwort VUCA[1] aus. Die Botschaft: Wenn die digitale Disruption um sich greift, wird kein Stein auf dem anderen bleiben – wir werden alle arbeitslos, und selbst hochqualifizierte Fachkräfte, wie Ärzte und Steuerberater, nagen dann am Hungertuch. Dabei ist VUCA vermutlich so alt wie die Wirtschaft selbst. Und lässt sich auch gut „behandeln“.

Es muss etwas passieren!

Wie immer in heiklen Zeiten gilt: Guter Rat ist teuer. Deshalb freuen sich Berater und Trainer, Methoden wie Scrum, Design Thinking und sonstige Prozesssteuerungswerkzeuge gut verkaufen zu können, mit denen der VUCA-Welt samt der digitalen Disruption Paroli geboten werden soll. Ehrfürchtig werden Seminare besucht und die Führungsriege fit gemacht. Sogar Bücher mit platten Titeln wie „Change ist doof!“ erfreuen sich großer Beliebtheit und suggerieren, dass man danach als Führungskraft endlich weiß, wie man MitarbeiterInnnen den Wandel schmackhaft macht, vor dem wir alle stehen. Es ist so etwas wie ein Reflex, der sich derzeit in den Führungsetagen breit macht: Jetzt muss aber endlich etwas von Grund auf passieren! Selbst in der kleinsten Firma läutet das VUCA-Gespenst die Weltuntergangsstimmung ein.

VUCA ist ziemlich von gestern

Diese Weltuntergangsstimmung ist ein furchtbares Gefühl – das uns als Menschen in unseren Grundfesten erschüttert und unbewusst sofort einen Flucht- oder Angriffsreflex auslöst. Schließlich fühlen wir uns existenziell bedroht! Dabei müssten wir uns gar nicht fürchten – denn VUCA ist ziemlich von gestern. Tiefgreifende Veränderungen gab es schon immer. Und es gab auch schon immer Unternehmen, die den Wandel erfolgreich gemeistert haben. Meistens wahrscheinlich volkommen unbewusst. Ihr Erfolgsrezept: Die Menschen – vor allem Entscheidungsträger  –, die in den Unternehmen arbeiten, hören den „Gefühlen“ der Organisation zu. Also dem, was die Organisation emotional bewegt. Wie geht das? Indem man zunächst offen und möglichst wertfrei zuhört, was MitarbeiterInnen und Kunden sagen, dies mit den eigenen Bewertungsbildern abgleicht, dann konsequente Entscheidungen trifft und diese auch umsetzt. Gute Führungskräfte tun dies intuitiv und zugleich systematisch. Durch das Training von Selbst-Kompetenzen ist dies aber auch gut erlernbar und auch immer optimierbar. Gefühle von Organisationen kann man durch gezielte Befragungen statistisch abbilden und dann die eigene Strategie darauf ausrichten.

Auf gesunde Emotionsregulation kommt es an

Um der VUCA-Welt die Stirn zu bieten, ist es heute mehr denn je notwendig, dass wir in Unternehmen lernen, mit etwas umzugehen, das lange Zeit eher mit der Kneifzange angefasst wurde und kühlen Berechnungs- und Kontrollmethoden diametral entgegensteht: eine gesunde Emotionsregulation. Die zielgerichtete und bewusste Balance zwischen Emotion und Sachlichkeit – darum geht es. Wenn sie stimmt, wenn Unternehmen es schaffen, negative Emotionen in eine positiv gestaltende Kraft zu wandeln– dann ist die Herkulesaufgabe des digitalen Wandels gut und gesund zu bewältigen. Und dies ist erlernbar – wurde aber bisher in der Arbeitswelt sträflich vernachlässigt. Die VUCA Welt ist also eine Option, einen bisher blinden Fleck gesund zu integrieren und ihn als Fortschritt zu nutzen.

[1] VUCA steht für Volatility (Schwankungen), Uncertainty (Ungewissheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit) der modernen, globalisierten und digitalisierten Arbeitswelt.

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